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DüDaDo
im
Nirgendwo

Im Sommer 2024 begannen meine Partnerin Anja und ich mit dem Einrichten einer neuen Route am Epp-Pfeiler in der Nordwand des Scheideggwetterhorns. Dieser Pfeiler hoch über der Grossen Scheidegg, mit seinem einmaligen hochalpinen Kalk, war mir schon lange ein Begriff.

2009 legten Nicolas Zambetti und Deni Burdet mit Gefährten hier einen Grundstein für das moderne alpine Sportklettern: Mit «Into the Wild», 450 Meter lang und bis 7b+ schwierig, eröffneten sie eine für damalige Verhältnisse aussergewöhnliche Route. Eine echte Pionierleistung – sowohl einen gangbaren Weg zur Wand als auch durch die Wand zu finden. Bis dahin gab es in diesem Bereich lediglich den selten bis nie wiederholten Nordostgrat des Scheideggwetterhorns, der 1963 von Martin Epp und Jr. Talbot erstbegangen worden war. Dank eines Beitrags über «Into the Wild» im SAC-Magazin Die Alpen – damals noch eine der wenigen zeitnahen Informationsquellen für solche Neutouren – begab ich mich nur ein Jahr später, mit gerade einmal 18 Jahren, an diesen Ort. Gemeinsam mit Nicolas Hojac gelang uns die erste Wiederholung dieser abenteuerlichen Route. Mir gelangen dabei alle Seillängen auf Anhieb frei (Team-OnSight/Flash). Ein unglaubliches Erlebnis, das mich wahrscheinlich bis heute prägt.

Neben der Kletterschwierigkeit ist dieser Ort vor allem durch seine Abgelegenheit und die schwierige Erreichbarkeit geprägt. So kam es auch, dass uns damals mein Vater am Sonntagabend in Grindelwald abholen musste: Wir hatten sowohl den letzten Bus als auch den letzten Zug verpasst – und mussten beide am nächsten Morgen wieder in der Schule sein.


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Zurück an die Wand

Die Jahre vergingen, und das Erlebte wurde langsam zu einer vagen Erinnerung. Dann stiess ich beim Suchen nach Bildern für einen Vortrag wieder auf meine alten Aufnahmen. Auf einem Foto der Wand fiel mir plötzlich der Kalkpanzer etwas weiter links ins Auge. Ein neues Projekt war geboren. Mit Anja, meiner Partnerin, war auch die perfekte Partnerin dafür gefunden. Im Sommer 2024 begannen wir, Material ins Biwak zu tragen und uns langsam der Wand anzunähern. Schon der Weg dorthin ist eine Reise wert: Auf geniale Weise sucht er sich seinen Weg durch die Schwachstellen des Geländes. Nasse Platten zwischen Biwak und Wand machten im Frühsommer bereits den Zustieg zu einem Abenteuer.

Für einen grossen Teil konnten wir noch das Material von Zambetti und Burdet nutzen. Wo nötig, ergänzten wir die Absicherung mit Bohr- und Normalhaken. Damit sollte der Zustieg nun auch für Wiederholer gut eingerichtet sein. Er bleibt jedoch ein ernstes Unternehmen, bei dem Wegfindung und sicheres Klettern in schlecht abgesichertem alpinem Gelände beherrscht werden müssen. Ca. ZS+/4b. War dieser Teil geschafft, konnten wir endlich mit dem eigentlichen Klettern beginnen. Während drei Besuchen richteten wir in diesem ersten Sommer die ersten fünf Seillängen ein. Für Anja war es gleichzeitig das Debüt im Setzen von Bohrhaken – und dies gleich von unten, an einem Skyhook hängend. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und den wohl unvermeidlichen Panikmomenten fühlte sie sich erstaunlich schnell wohl dabei.

2025 liessen Kalender und Wetter leider nur einen einzigen Besuch zu. Dabei konnten wir immerhin die sechste Seillänge und damit die klare Schlüssellänge über das Dach in der Wandmitte einrichten. Das Gefühl, über die Dachkante zu klettern, in einer praktisch blanken und unübersichtlichen Platte zu landen und sich irgendwie nach oben zu kämpfen, bis nach etwa vier Metern endlich ein rettender Griff kommt, an dem ich den nächsten Haken setzen konnte, werde ich so schnell nicht vergessen. Die Länge dürfte etwa bei 8a+ einchecken.

Ein Projekt verändert sich

Entsprechend gross war die Motivation, die Linie 2026 endlich fertigzustellen. Gleichzeitig erhielten Anja und ich in diesem Sommer die wunderbare Nachricht, dass wir Eltern werden. Natürlich stellte die Freude darüber die Motivation für die Route in den Schatten. Trotzdem wussten wir beide, dass es noch möglich sein sollte, unser gemeinsames Projekt fertigzustellen. Und uns war ebenso klar, dass der nächste Sommer für solche Unternehmungen wohl nicht einfacher werden würde. Gerade zu Beginn der Schwangerschaft hatte Anja deutliche Energieschwankungen. Gleichzeitig wurde das Projekt mit zunehmender Höhe immer aufwendiger: zwei Stunden Zustieg, 300 Meter Jümaren, anschliessend der Abstieg – und das Ganze stets in Gelände mit wenig Fehlertoleranz. Deshalb begleitete mich für einen Tag Max aka Muscle Mäx in die Wand. Gemeinsam konnten wir die Route bis zur achten Seillänge einbohren. Damit war die perfekte Ausgangslage geschaffen, um sie anschliessend mit Anja fertig einzurichten.

Im August 2026 konnten wir gemeinsam die letzte Seillänge bohren. Sie bescherte uns nochmals geniale und anspruchsvolle Plattenkletterei. Es war ein unglaubliches Gefühl, als Paar gemeinsam so etwas erleben und abschliessen zu dürfen. Doch ein langer Abstieg lag noch vor uns. Die wirkliche Erleichterung kam deshalb erst bei der obligatorischen Trottinett-Abfahrt von der Grossen Scheidegg hinunter nach Grindelwald. Wir gaben der Route den Namen «DüDaDo im Nirgendwo». Der Signalton des Grindelwald Busses ist an diesem abgelegenen Ort oft die einzige spürbare Verbindung zur Zivilisation. Und er begleitet einen tatsächlich den ganzen Tag – vom frühen Morgen bis gegen 18 Uhr, wenn der letzte Bus fährt.


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Der Freikletterversuch

Für einen gemeinsamen Freikletterversuch war Anjas Schwangerschaft mittlerweile zu weit fortgeschritten. Gleichzeitig verspürte ich den Drang, das Projekt nach drei Jahren endlich abzuschliessen – auch mit dem Wissen, dass es in den kommenden Jahren wohl nicht einfacher werden würde, gemeinsam derart aufwendige Projekte zu realisieren. So einigten wir uns darauf, dass ich im September versuchen würde, die Route frei zu klettern. Gleichzeitig war für uns klar: So bald wie möglich wollen wir sie auch noch gemeinsam klettern.

Ende August verbrachte ich mit Maurice einen ersten Tag in der Route und konnte alle Seillängen bis zur Schlüssellänge auf Anhieb frei klettern. In dieser checkte ich kurz die einzelnen Züge aus, bevor es bereits wieder nach unten ging. Eine Woche später reiste ich erneut an mit Kaspar. Diesmal war auch John Thornton mit seiner Kamera dabei, um den Freikletterversuch zu dokumentieren. Leider machte uns am ersten Tag das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Unangekündigte Windböen von bis zu 70 km/h und die Kälte machten das Klettern fast unmöglich. So konnten wir lediglich einige Aufnahmen in der Schlüssellänge machen. Eigentlich war geplant gewesen, an diesem Tag auch die oberen Seillängen anzuschauen und sämtliche Fixseile der Erstbegehung zu entfernen, um am nächsten Tag eine saubere Eintages-Rotpunktbegehung von unten zu versuchen. Dieser Plan ging nicht auf. Wir liessen die Fixseile deshalb noch in der Wand, und ich kletterte am folgenden Tag gemeinsam mit Ben alle Seillängen ab der Schlüssellänge frei. Es fühlte sich wunderbar an, all diese Längen nach so viel Arbeit endlich klettern zu dürfen. So konnte ich verteilt auf 2 Tage alle längen frei klettern. Im Nachhinein stellte sich diese Strategie als guter Kompromiss heraus. Denn die letzte Seillänge hatte es mit 7c nochmals richtig in sich. Ohne sie vorher angeschaut zu haben, hätte sie mir durchaus einen Strich durch die Rechnung machen können, wäre ich direkt von unten gekommen. Zudem brauchten wir auch so noch genügend Zeit, um nach dem Klettern die gesamte Route abzuseilen, dabei alle Fixseile zu entfernen und mit dem ganzen Material wieder abzusteigen. Nach einer nächtlichen und schwer beladenen Trottinett-Abfahrt zurück zum Auto feierten wir die freie Begehung schliesslich bei einem wohlverdienten Mitternachtssnack im Gasthof zur Goldenen Möve in Interlaken – ein durchaus würdiger Abschluss für drei Jahre Arbeit an dieser Route.

DüDaDo im Nirgendwo

With “DüDaDo im Nirgendwo”, we have established a demanding alpine multi-pitch route on superb high-alpine limestone, with difficulties up to 8a+. The grades given in the topo are suggestions and will need to be confirmed by future repeaters. Protection is sparse in places and can be compared to modern alpine multi-pitch routes in the Bernese Oberland such as “La Svizzera”, “Infinite Jest” or “Paciencia”.

Beyond pure climbing ability, the route demands experience in alpine terrain and a willingness to commit to a serious and remote undertaking.

But it is precisely this alpine setting, the atmosphere and the remoteness that make “DüDaDo im Nirgendwo” much more to us than simply a difficult climbing route. It is the result of three years of working together, many days spent on the wall, and a period in which our own lives have changed as well.