Klettern
mit
Gewichtsunterschied:
Was
ist
zu
beachten?

06/26

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Den perfekten Kletterbuddy sucht man sich nicht nach der Waage aus. Ob Pärchen, Freundeskreis oder zufällige Seilschaft in der Halle: In den meisten Konstellationen wiegen beide Personen unterschiedlich viel – manchmal nur wenige Kilogramm, manchmal deutlich mehr. Was im Alltag völlig egal ist, kann beim Klettern jedoch sicherheitsrelevant werden. Denn das Gewichtsverhältnis zwischen sichernder und kletternder Person beeinflusst direkt, wie ein Sturz gehalten wird – und damit auch, wie gross das Risiko für beide ist. Hier erfährst du, warum Gewichtsunterschiede beim Klettern eine Rolle spielen, ab welchem Unterschied es bedenklich wird und mit welchen Techniken und Hilfsmitteln du trotzdem sicher unterwegs bist.

Warum das Gewicht beim Klettern überhaupt eine Rolle spielt

Beim Klettern  – besonders im Vorstieg – hängt die Sicherheit beider Personen massgeblich davon ab, wie kontrolliert ein Sturz gehalten werden kann. Dabei sind grundsätzlich zwei Szenarien zu unterscheiden: die sichernde Person ist leichter als die kletternde – oder umgekehrt. Beide Fälle bringen eigene Herausforderungen mit sich.

Der erste Fall ist der häufiger diskutierte: Ist die sichernde Person leichter als die kletternde und stürzt die kletternde Person, wirkt über die letzte Zwischensicherung ein erheblicher Sturzzug auf die sichernde Person. Sie wird nach oben gerissen – manchmal nur ein paar Zentimeter, manchmal aber auch mehrere Meter. Das ist aber alles andere als harmlos: Die stürzende Person fällt dadurch tiefer, das Risiko eines Bodensturzes oder einer Kollision mit der Wand steigt, und die sichernde Person kann selbst Verletzungen davontragen, etwa beim Anschlagen an der Wand oder einer Zwischensicherung.

Auch der umgekehrte Fall – die sichernde Person ist deutlich schwerer als die kletternde – ist nicht unproblematisch. Hier wird der Sturz oft sehr hart gehalten, weil die sichernde Person kaum oder gar nicht mitgeht. Für die kletternde Person bedeutet das einen unangenehmen, harten Fangstoss – mit erhöhtem Verletzungsrisiko bei Kollisionen mit Felsstrukturen. Gewichtsunterschiede sind also keine Kleinigkeit, sondern ein Faktor, der bei der Sicherungstechnik bedacht werden muss.


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Ab wann ein Gewichtsunterschied kritisch wird

Pauschale Grenzwerte gibt es nicht, aber Erfahrungswerte und Empfehlungen alpiner Verbände bieten gute Orientierung. Als Faustregel nach Lehrmeinung des Deutschen Alpenvereins (DAV) gilt: Beim Vorstieg sollte die kletternde Person nicht mehr als das 1,3-Fache der sichernden Person wiegen, beim Topropesichern liegt die Grenze bei etwa dem 1,5-Fachen.

Konkret bedeutet das:

  • Bis zu einem Gewichtsunterschied von rund 5 Kilogramm lassen sich Stürze in der Regel ohne besondere Massnahmen sicher halten.

  • Ab etwa 10 Kilogramm Unterschied wird das Sichern deutlich anspruchsvoller, und es sollten zusätzliche Vorkehrungen getroffen werden.

  • Bei mehr als 15 Kilogramm Unterschied ist routinierte Technik allein meist nicht mehr ausreichend – hier kommen spezielle Hilfsmittel ins Spiel.

Wichtig: Diese Werte gelten für reibungsarme Umgebungen wie Kletterhallen. Am Fels mit kurviger Linienführung kann die natürliche Seilreibung den effektiven Sturzzug bereits deutlich reduzieren, sodass auch grössere Gewichtsunterschiede gut beherrschbar sein können. Auch Faktoren wie Seildurchmesser, Seilbeschaffenheit und Luftfeuchtigkeit spielen eine Rolle: Ein dünnes, neues Kletterseil  führt zu weniger Reibung als ein dickeres, älteres Modell. Achte generell stets darauf, dass Kletterseil und Sicherungsgerät kompatibel sind.


Sicherungstechniken für Seilschaften mit Gewichtsunterschied

Die richtige Technik ist die wichtigste Massnahme, um Gewichtsunterschiede auszugleichen. Folgende Punkte solltest du beachten:

  • Aktive Position einnehmen: Die sichernde Person sollte nahe an der Wand stehen, leicht in Knie- und Hüftbeugung, mit dem Blick zur kletternden Person. So kann sie der Sturzbewegung kontrolliert folgen.

  • Körperdynamisch sichern: Bei einem Sturz wird mit der Bewegung mitgegangen, statt dagegen zu halten. Das macht den Sturz für die kletternde Person weicher und reduziert die Belastung.

  • Festes Schuhwerk tragen: Wer bei einem Sturz hochgezogen wird, sollte sich kontrolliert mit den Füssen an der Wand abstützen können. Feste Schuhe und eine gute Reaktion sind dabei entscheidend.

  • Schlappseil vermeiden: Zu viel loses Seil verlängert den Sturzweg unnötig. Gleichzeitig sollte das Seil aber nicht so straff sein, dass die kletternde Person beim Klippen behindert wird.

  • Aufmerksames Beobachten: Wer weiss, dass der Partner gleich die nächste Expresse  klippt oder kurz vor einem dynamischen Zug steht, kann sich aktiv darauf einstellen und schnell Seil geben.

Hilfsmittel zum Ausgleich von Gewichtsunterschieden

Wenn Technik allein nicht ausreicht, helfen spezielle Hilfsmittel, den Gewichtsunterschied auszugleichen. Sie alle setzen am gleichen Punkt an: Sie erhöhen die Reibung im System und reduzieren so den Zug, der bei der sichernden Person ankommt.

Reibungserhöher

Für grössere Gewichtsunterschiede gibt es spezielle Geräte, die direkt am ersten Sicherungspunkt eingehängt werden und die Reibung im System erhöhen. Der Mammut Assist Belay Resistor  ist genau für solche Situationen entwickelt: Die leichte Seilbremse wird an der ersten Zwischensicherung angebracht und reduziert den Sturzzug, der bei der sichernden Person ankommt, erheblich. So kannst du auch trotz deutlichem Gewichtsunterschied kontrolliert sichern.

Gezielte Umlenkung durch kurvige Seilführung

Auch ohne zusätzliches Gerät lässt sich die Reibung erhöhen – nämlich, indem die Seilführung bewusst kurviger gestaltet wird. Wer beim Vorstieg gezielt Zwischensicherungen so klippt, dass das Seil leichte Bögen statt einer geraden Linie beschreibt, sorgt für mehr Reibung und damit für einen geringeren Sturzzug. Das hat allerdings einen Haken: Mit zunehmender Reibung wird es für die kletternde Person spürbar schwerer, das Seil nachzuziehen und zu klippen, und auch das Ablassen kann mühsamer werden. Diese Technik ist daher eher eine ergänzende Massnahme als eine vollwertige Lösung – und sollte mit Bedacht eingesetzt werden.

Vorsicht bei Selbstsicherung am Boden

Eine direkte Selbstsicherung der sichernden Person am Boden – etwa per Bandschlinge  an einem Bodenanker – wirkt zunächst plausibel, wird aber nicht empfohlen. Je nach Position des Ankerpunkts kann sie sogar gefährlich werden: Sitzt der Anker zu weit von der Wand entfernt oder ungünstig zur Sturzlinie, kann die sichernde Person bei einem Sturz unkontrolliert in Richtung Wand gerissen werden, statt nach oben mitzugehen. Das erhöht das Verletzungsrisiko deutlich und kann gleichzeitig den Sturz für die kletternde Person extrem hart machen. Bodenanker sind daher keine geeignete Lösung bei Gewichtsunterschieden und sollten – wenn überhaupt – nur in spezifischen Situationen und mit fundierter Erfahrung eingesetzt werden.

Vertrauen und Ausrüstung – die Basis jeder Seilschaft

Ein Gewichtsunterschied ist also kein Grund, auf gemeinsame Klettersessions zu verzichten – im Gegenteil. Wer die Mechanik dahinter versteht, die richtigen Techniken anwendet und passende Hilfsmittel einsetzt, kann auch mit deutlichen Unterschieden im Gewicht sicher und entspannt klettern. Wichtig ist, das Thema nicht zu unterschätzen.

Genauso unverzichtbar ist hochwertige, normgerechte Kletterausrüstung . Dazu zählen ein gut sitzender Klettergurt , ein passendes Sicherungsgerät , geeignete Karabiner  und natürlich ein zuverlässiges Kletterseil . Achte beim Kauf immer auf die UIAA- oder CE-Kennzeichnung, die die Einhaltung der Sicherheitsstandards belegt.

Mehr zu diesem Thema erfährst du in unserem Guide zur Indoor-Kletterausrüstung .

Ausserdem findest du in unseren Mammut Stories & Guides  weitere Beiträge rund ums Klettern – etwa zur richtigen Passform deines Klettergurts , zu den verschiedenen Karabinerformen  oder zur Frage, wie Kletterseile gewaschen werden . So bist du nicht nur mit der besten Ausrüstung, sondern auch mit dem nötigen Wissen unterwegs.

Häufig gestellte Fragen zum Klettern mit Gewichtsunterschied

Welche Rolle spielt das Gewicht beim Klettern?

Das Gewichtsverhältnis zwischen sichernder und kletternder Person beeinflusst, wie ein Sturz gehalten wird. Bei grösseren Unterschieden steigt das Risiko für unkontrollierte Bewegungen, härtere Stürze oder Verletzungen.

Wie hoch darf der Gewichtsunterschied beim Klettern sein?

Nach DAV-Lehrmeinung sollte die kletternde Person beim Vorstieg höchstens das 1,3-Fache, beim Topropesichern höchstens das 1,5-Fache der sichernden Person wiegen. Ab rund 10 Kilogramm Unterschied sind zusätzliche Massnahmen empfehlenswert.

Welcher Gewichtsunterschied ist beim Klettern optimal?

Im Idealfall sind beide Personen ungefähr gleich schwer. Bis etwa 5 Kilogramm Unterschied lässt sich ohne besondere Vorkehrungen sicher sichern – das gilt als optimaler Bereich für die meisten Seilschaften.

Was ist die Drei-Punkt-Regel im Klettern?

Die Drei-Punkt-Regel besagt, dass beim Klettern immer drei der vier Kontaktpunkte (zwei Hände, zwei Füsse) Halt an der Wand haben sollten, bevor sich der vierte bewegt. Das sorgt für Stabilität und reduziert das Sturzrisiko – besonders auf alpinem Terrain wichtig.

Wie kann man beim Klettern einen Gewichtsunterschied ausgleichen?

Über mehrere Wege: aktive, körperdynamische Sicherungstechnik, Reibungserhöher wie das Mammut Assist Belay Resistor und eine bewusst kurvige Seilführung, die zusätzliche Reibung im System schafft.


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