B.I.G.
–
Eine
Geschichte
von
Besessenheit,
Partnerschaft
und
dem
Streben
nach
dem
Unmöglichen

A climber wearing Mammut gear ascends a steep, rocky overhang, gripping the rock face with outstretched arms and legs.

@Hannes Mair

Tief im Inneren der Granithöhle von Flatanger in Norwegen verbirgt sich eine Route, die ihresgleichen sucht. Steil, kraftvoll und unerbittlich lang – B.I.G. 9c (5.15d) gilt als eine der futuristischsten Sportkletterrouten, die je gesichert wurden. Im Laufe der Jahre wurde sie zum Massstab und Magneten für alle, die eine Herausforderung suchen – darunter auch Jakob Schubert. Er wurde zu einer ihrer prägenden Figuren und schaffte als Erster die freie Begehung von B.I.G.

Das ist die Geschichte von Jakob Schubert und Adam Ondra und ihrem gemeinsamen Streben nach einer der ambitioniertesten Kletterrouten ĂĽberhaupt. Eine Geschichte von Jakobs sich wandelnder Beziehung zu einer Route, die ihn mehr gefordert hat als fast jede andere.

Eine Höhle, die alles abverlangt

Flatanger ist ein Ort, den Kletter:innen nie vergessen: weitläufiger Granit, ein perfekter Überhang und ein Gefühl von Wildnis, das einen in seinen Bann zieht. Jakob war schon oft dort und hat eine tiefe Verbindung zu dieser Höhle aufgebaut, die ihn immer wieder dorthin zurückkehren lässt.

Unter den vielen beeindruckenden Routen sticht B.I.G. (ehemals Project B.I.G.) besonders hervor: über 120 Züge an steilem Granit, die kraftvolle Passagen, Moves im Comp-Stil und technische Präzision miteinander verbinden.
Adam Ondra hatte die Route bereits Jahre zuvor eingerichtet, zu einer Zeit, als sie noch fast zu wild wirkte, um sie überhaupt in Betracht zu ziehen. Selbst er war sich nicht sicher, ob sie jemals geklettert werden könnte. Doch als die einzelnen Moves geknackt waren, offenbarte sich das Projekt von selbst.

Als Jakob sich 2022 gemeinsam mit Adam zum ersten Mal ernsthaft an der Route versuchte, erkannten beide das Potenzial, aber auch die Herausforderung. Schwierige Bedingungen bremsten ihren Fortschritt immer wieder: Feuchtigkeit und nasse Griffe zwangen sie dazu, viele Sessions zu beenden. Trotzdem arbeiteten sie sich Stück für Stück durch die Route. Jakob fand seinen Rhythmus durch Ausdauer und dynamische Bewegungen, während Adam sein fundiertes Wissen über die Höhle einbrachte. Aus ihrer Zusammenarbeit entwickelte sich ein Verhältnis gegenseitigen Respekts.

A climber wearing Mammut gear grips a steep rock face, secured by a rope, as seen from above.
A climber wearing Mammut gear scales a steep rock face, gripping an overhang with rugged rocky terrain visible far below.
ZurĂĽck mit neuer Motivation

Nach einem starken Wettkampfjahr kehrte Jakob im Herbst 2023 motivierter denn je nach Flatanger zurĂĽck. Er optimierte seine Beta, arbeitete an der Crux und fĂĽhlte sich auf der Route mehr und mehr zu Hause. Diesmal beschloss das Team, die Erfahrung mit der ganzen Welt zu teilen und machte aus dem Projekt eine Produktion mit Drohnen, mehreren Kameras und Live-Ăśbertragungen.

Jakob traute sich, seine Versuche live mit der Welt zu teilen und die Community stand von Anfang an hinter ihm.

Gegen Ende des letzten Schönwetter-Fensters des Jahres erreichte Jakob Schubert am 20. September endlich die letzten Griffe des ehemaligen «Project BIG». Damit gelang ihm als Erster die freie Begehung einer der schwierigsten Kletterrouten der Welt.

    

Mehr als nur eine Begehung

B.I.G. ist mehr als nur eine Route. Sie steht für Partnerschaft, Durchhaltevermögen und die seltene Motivation, die entsteht, wenn Athlet:innen sich gegenseitig antreiben. Jakobs Hingabe und Adams Vision haben eine Geschichte geschaffen, die weit über eine einzelne Begehung hinausgeht. Eine Geschichte, die Jakob bis heute prägt und immer wieder zurück in die Höhle führt, in der er sich wie zu Hause fühlt.