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30-04-2018 / 10:00

Helen Bonsor — Interview zum Rekordlauf in Schottland

Mammut Pro Athletin Helen Bonsor ist die 63 Kilometer der Tranter’s Round in Schottland in nur 12 Stunden und 25 Minuten gelaufen und konnte damit einen neuen Rekord für die Damen aufstellen. Wir haben Helen gefragt, wie sie sich auf eine solche Rekord-Leistung vorbereitet

Helen, herzlichen Glückwunsch zu deiner fantastischen Leistung. Wir fragen uns, was es für eine derartige Herausforderung braucht. Aber fangen wir einmal von vorne an: Warum hast du dich für die Tranter’s Round entschieden?
Es ist eine wirklich elegante Route, die über ein paar tolle Berge und Grate führt. Wenn man eine derartig lange Route läuft, hat man das Gefühl von Freiheit und wird quasi eins mit den Bergen. Seit 2010 mache ich regelmässig Bergläufe. Die Tranters Round war seit damals eines meiner grossen Ziele.

Erzähl uns etwas mehr über dein Training. Wie häufig läufst du und wie trainierst du noch, um dich körperlich und geistig vorzubereiten?
Normalerweise laufe ich jeden Tag, abgerundet durch Zyklustraining. In der Woche laufe ich meist zur Arbeit oder fahre mit dem Fahrrad und das mache ich auch in der Mittagspause. Am Wochenende fahren wir normalerweise ein paar Stunden zu größeren Bergen, um etwas länger zu trainieren oder uns bei Wettrennen zu messen. So habe ich in einer Woche eigentlich eine gute Mischung aus Krafttraining, Ausdauer und Geschwindigkeit.


"Wenn man eine derartig lange Route läuft, hat man das Gefühl von Freiheit und wird quasi eins mit den Bergen."

Wie sahen deine Tage vor deinem Rekord-Lauf aus?
In den drei Monaten vor dem Versuch den Rekord aufzustellen haben wir mehrere Erkundungstrips gemacht, um die besten Routen in den Graten zu finden und Gebirgsbäche, wo wir uns mit frischem Wasser versorgen konnten. Insgesamt war wirklich gutes Wetter, sodass wir in leichten Shirts und Shorts mit einem MTR 141 Rucksack laufen konnten. Unser letzter Erkundungstrip war ein zweitägiger Run entlang der Route, wobei wir nachts unser Zelt in der Wildnis aufgeschlagen haben. Regen und Wind waren jedoch so stark, dass wir oben kaum stehen konnten! Die leichten Mammut Rainspeed Hardshell Jacken und warme Langarm-Tops kamen da gerade richtig – so war uns an beiden Tagen warm und wir sind trocken geblieben.

"Die meiste Zeit konnten wir nur wenige Meter weit sehen, weshalb wir uns an manchen Stellen mit Karte und Kompass zurechtfinden mussten"

Lass uns jetzt über den Rekord-Versuch selbst sprechen: Welche Ausrüstung hast du mitgenommen? Was war in deinem Rucksack?
Unsere Rucksäcke mussten unbedingt so leicht wie möglich sein und trotzdem genug Platz haben für unsere ganze Ausrüstung. Beide nahmen wir eine Rainspeed Hardshell Jacke und Hose mit, eine Karte und einen Kompass, um uns zu orientieren, eine Rettungsdecke, ein Paar Astro Handschuhe, ein Stirnband, ein leichtes MTR Langarm-Shirt, eine 300 ml Soft Flask, ein paar Energiegele und hausgemachte Energieriegel.

Du bist über 12 Stunden gelaufen. Erklär doch kurz für jemanden der kein Trail Runner ist: Wie machst du das?
Vor dem Versuch hatten wir zahlreiche lange Tage in den Bergen trainiert, sodass unsere Beine und unser Kopf auf einen 12-Stunden-Run vorbereitet waren. Bei dem Rekord-Versuch sind wir die ganze Zeit zügig gelaufen und haben nur in der Hälfte einmal ein paar Minuten Pause gemacht. Wir haben darauf geachtet, jede Stunde ein Energiegel oder einen Energieriegel zu essen und etwas Wasser zu trinken. Jeder trug 300 ml Wasser, wobei wir die Flaschen an Gebirgsbächen aufgefüllt haben, sodass wir das Gewicht der von uns transportierten Flüssigkeit auf ein Minimum beschränken konnten. Das Wetter an dem Tag des Versuchs war sehr wechselhaft und die meiste Zeit konnten wir nur wenige Meter weit sehen, weshalb wir uns an manchen Stellen mit Karte und Kompass zurechtfinden mussten und nicht einfach unseren Augen vertrauen konnten.

Gab es einen Zeitpunkt, an dem du wusstest, dass du auf dem Weg in Richtung Rekord warst?
Ich hatte mich bewusst dafür entschieden, die ganze Zeit nicht auf die Uhr zu schauen, da ich die Strecke nicht unter Druck laufen wollte und mich nicht auf jedem Hügel fragen wollte, ob ich eine Minute schneller oder zu langsam war. Ich wollte den Augenblick genießen, ein gutes Tempo halten, mich darüber freuen, dass ich in den Bergen war und sehen, was passieren würde. Andy, mein Partner, hatte eine Uhr, und mehrere Zeitpläne, die er an seiner Karte befestigt hatte! Er wusste deshalb den ganzen Tag genau, welche Fortschritte wir machten. Als wir dann auf dem letzten Gipfel waren, gab Andy mir zum ersten Mal die Zeit und sagte: „Du hat eine Stunde, um nach unten zu kommen“ – da wusste ich, dass wir auf dem Weg in Richtung Rekord waren und es war ein Mega-Gefühl, das letzte Gefälle nach Glen Nevis herunter zu sprinten. Alles hatte sich perfekt gefügt und ich genoss einfach den Moment.

Helen, vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Gespräch genommen hast. Wir wünschen dir alles Gute für deine zukünftigen Projekte.



Die folgenden Produkte hatte Helen bei ihrem Rekordlauf im Rucksack mit dabei:


Mountain Training Highlights